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Hämatologie & Onkologie

Infektionen bei Tumorpatienten : Diagnose

Infektionen bei Tumorpatienten

Definition
Durch immer ausgeprägtere Immunsuppression sind Infektionen mit zum Teil seltenen Erregern eine wichtige Komplikation des onkologischen Patienten mit Auswirkungen auf die Prognose. Der febrile onkologische Patient stellt eine große diagnostische Herausforderung im klinischen Alltag dar und verlangt eine Zusammenarbeit verschiedener Fachbereiche

 

Erreger

 

Die für die Infektion verantwortlichen Erreger stammen zum Großteil aus der endogenen Flora bzw. können übertragen werden

  • durch Personal oder
  • durch invasive medizinische Maßnahmen (z.B. intravaskuläre Katheterinfektionen)
Infektionskeime bei neutropenischen Patiente

 

Grampositive Kokken Staphylococcus epidermidis
  Staphylococcus aureus
  Streptococcus viridans
  Enterococcus faecalis
  Streptococcus pneumoniae
Gramnegative Stäbchen E. coli
  Klebsiella
  Pseudomonas aeruginosa
  Pseudomonas nonaeruginosa
  Enterobacter
  Serratia
  Acinetobacter
  Citrobacter
Gramnepositive Stäbchen Corynebacterium diphtheriae
  Corynebacterium JK
Pilze Candida spp.
  Aspergillus spp.
H. Burgmann, Wiener Medizinische Wochenschrift 2001
Gestörte Immunabwehr

Spezielle Immundefizienzen

Der onkologische Patient kann immunkompromittiert sein als Folge der

  • zugrunde liegenden Krankheit (gestörtes zelluläres Immunsystem - siehe Tabelle)
  • therapeutischen Intervention (Neutropenie durch zytotoxische Chemotherapie)
Störung der Immunabwehr bei malignen Erkrankungen

 

Tumortyp
Immunstörung
Häufige Infektionserreger
Multiples Myelom Hypogammaglobulinämie S. pneumoniae, H. influenzae,
N. meningitidis
CCL Hypogammaglobulinämie S. pneumoniae, H. influenzae,
N. meningitidis
AML, ALL Granulozytopenie, Haut- und Schleimhautschäden extrazelluläre grampositive und gramnegative Bakterien, Pilze
M. Hodgkin abnormale T-Zellfunktion intrazelluläre Pathogene (M. tuber-culosis, Listeria, Salmonella, Crypto-
coccus, M. avium-intrazellulare)
Non-Hodgkin-Lymphom und ALL Steroidtherapie, T- und B-Zell Dysfunktion P. carinii
Haarzell-Leukämie abnormale T-Zellfunktion intrazelluläre Pathogene (M. tuber-culosis, Listeria, Salmonella, Crypto-
coccus, M. avium-intrazellulare)
Kolon- und Rektumkarzinome lokale Störungen S. bovis
H. Burgmann, Wiener Medizinische Wochenschrift 2001
Neutropenie

= relative oder absolute Verminderung der neutrophilen Granulozyten im Blut

  • Neutrophile Granulozyten gehören zur normalen Schutzbarriere des Körpers gegen Infektionen durch Bakterien und Pilzen (siehe Tabelle); Normalwert: 1.400 - 6.600/µl
  • Neutropenie als Folge der zytotoxischen Chemotherapie ist der am besten beschriebene Risikofaktor für schwere bakterielle Infektionen bei Malignompatienten
  • wenn Neutrophilenzahlen unter 500/µl abnimmt, dramatischer Anstieg der Infektionsgefahr
  • bei Neutrophilenzahlen unter 100/µl ist das Risiko einer schweren Infektion (Bakteriämie oder bakterielle Pneumonie) am größten
  • auch die Dauer der Neutropenie (mehr als 10 Tage) ist ein wichtiger prognostischer Faktor im Sinne eines hohen Risikos (high risk)
Normale körpereigene Abwehrmechanismen

 

Abwehrtyp
spezielle Läsion
beteiligte Zellen
Erreger
Erkrankung
physikalische Barriere
Hautläsion
Epithelzellen
Zellulitis, ausgedehnte Hautinfektionen
Phagozytose
Mangel an Granulozyten
neutrophile Granulozyten
Staphylokokken,
Streptokokken,
Enterobakterien
Bakteriämie
Phagozytose
Splenektomie
retikuloendtheliale Zellen
overwhelming Post-splenektomie-Syndrom
humorale Immunität 
Antikörpermangel
B-Zellen
Infektionen mit bekapselten Bakterien, Sinusitis, Pneumonie
zelluläre Immunität
Mangel an T-Zellen
T-Zellen und Makrophagen
M. tuberculosis, Listeria,
Herpes-Virus,
Pilze,
intrazelluläre Parasiten
Infektionen mit intrazellulären Bakterien, Pilzen, Parasiten
H. Burgmann, Wiener Medizinische Wochenschrift 2001
Diagnostik
  • Ausführliche Anamnese ist zwingend
  • Genaue klinische Untersuchung
  • Labor (Blutbild mit Differentialblutbild, Leberwerte, Nierenwerte, CRP, Urinstatus u.a.)
  • Erregerdiagnostik (Blutkulturen etc.)
  • Serologie
  • Röntgen (Lunge)
  • Sonographie (Abdomen)
  • CT (Thorax, Abdomen, Schädel)
  • MRI
  • evtl. invasive Diagnostik (Bronchoskopie mit BAL/Biopsie (Pneumocystis carinii...)
 
  • Diagnose kann sich beim neutropenischen Patienten schwierig gestalten (Leukozytose fehlt definitionsgemäß), auch heißt Fieber nicht unbedingt Infektion, da bei Tumoren die Fieberhäufigkeit unterschiedlich ist. Auch das C-reaktive Protein kann bei gewissen Tumoren ohne das Vorliegen einer Infektion erhöht sein. Ein Ansteigen des CRP > 40 mg/l (Normalwert 8 mg/l) über 2 - 3 Tage macht eine Infektion wahrscheinlich.
  • Beim neutropenischen Patienten muss bereits frühzeitig mit einer empirischen Therapie begonnen werden
  • Erregerdiagnostik darf nicht abgewartet werden!
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Letztes Update:24 Februar, 2009 - 14:06